Hinweise auf die Benachteiligung von Autorinnen im Literaturbetrieb finden sich bereits in den Aufzeichnungen von Charlotte Brontë. Dort beschreibt sie die Beweggründe für die Wahl der Pseudonyme Currer, Ellis und Acton Bell:

„Averse to personal publicity, we veiled our own names under those of Currer, Ellis, and Acton Bell; the ambiguous choice being dictated by a sort of conscientious scruple at assuming Christian names positively masculine, while we did not like to declare ourselves women, because without at that time suspecting that our mode of writing and thinking was not what is called ‚feminine‘ we had a vague impression that authoresses are liable to be looked on with prejudice; we had noticed how critics sometimes use for their chastisement the weapon of personality, and for their reward, a flattery, which is not true praise.” (Brontë, ca. 1837–1901. S.1)
Auch die Brontë-Schwestern nutzen Pseudonyme, um ihr Geschlecht zu verschleiern und möglichen Vorurteilen gegenüber Autorinnen zu entgehen. Charlotte Brontë berichtet, dass Schriftstellerinnen ihrer Wahrnehmung nach häufig nicht allein nach der Qualität ihrer Werke beurteilt wurden. Stattdessen seien persönliche Angriffe als Mittel der Kritik eingesetzt worden, während Schmeichelei an die Stelle ernst gemeinten Lobs getreten seien. Das Zitat verdeutlicht, dass die Rezeption von Autorinnen oftmals von geschlechtsspezifischen Erwartungen geprägt war.
Auf diese Problematik weist auch Daun Jung hin. In ihrem Aufsatz “CRITICAL NAMES MATTER: “CURRER BELL,” “GEORGE ELIOT,” AND “MRS. GASKELL”” schreibt sie:
„[A]fter the Life (Biographie in der Currer Bell sich als Charlotte Brontë herraus stellte) was published, most reviewers changed their critical naming practices for the author from “Currer Bell” to “Charlotte Brontë” and paid more attention to Brontë’s quality as a woman than as an author.” (Jung, 2017)
Jungs Beobachtung legt nahe, dass mit der Enthüllung von Chartlotte Brontës Identität auch eine Verschiebung der kritischen Aufmerksamkeit einherging. Die Rezensenten beschäftigten sich nun verstärkt mit Brontë als Frau und weniger ausschließlich mit ihrem literarischen Schaffen. Darin zeigt sich, dass Autorinnen häufig nicht unabhängig von ihrem Geschlecht rezipiert wurden.



Schreibe einen Kommentar