Weibliche Schriftstellerinnen waren im 18. Jahrhundert alles andere als selbstverständlich. Was heute ganz normal ist, war damals ein ziemlich steiniger Weg. Doch auch damals hat es sie schon gegeben und viele von ihnen haben dazu beigetragen, diesen steinigen Weg für die Zukunft zu ebnen. Wir möchten einige davon vorstellen, darunter Sophie von La Roche. Wo wir schon von ihr sprechen, lasst uns doch mit ihr beginnen!

Marie Sophie Gutermann wird am 06.12.1730 als erste von dreizehn Kindern des Stadtphysikus Dr. Georg Friedrich Gutermann und seiner Ehefrau Regina Barbara, geb. Unold, in Kaufbeuren/Allgäu geboren. Als sie nur zwei Jahre alt ist, wird sie schon von ihrem Vater mit in die Bibliothek genommen, wo er ihr das Lesen beibringt. Sie verbrachte ihre Kindheit in Lindau und in Augsburg und lernt früh Französisch, erhält Zeichen- und Klavierunterricht und wird von ihrer Mutter in die gesellschaftlichen Aufgaben eingewiesen.
Mit siebzehn Jahren verlobt sich Sophie mit dem italienischen Aufklärer und Arzt Ludovico Bianconi, der ihr Italienisch, Geschichte, Mathematik, Kunst und Gesang beibringt. Allerdings wird auf Drängen des Vaters die Verlobung 1749 aufgelöst. Nach dem Tod ihrer Mutter 1748 wird sie zu einem Vetter ihres Vaters nach Biberach an der Riß geschickt, wo sie den Schriftsteller Christoph Martin Wieland kennen und nachher auch lieben lernt, denn 1750 folgt die Verlobung. Er wird zu einem engen Freund, ermutigt sie zu eigenen Schreibversuchen und wird daraufhin ihr Ratgeber, Lehrmeister und Kritiker zu jeglichen literarischen Fragen. Sie löst die Verlobung mit Wieland drei Jahre späte aus eigenem Bestreben auf und heiratet stattdessen den Verwaltungsbeamten und Staatsmann Georg Michael Frank La Roche. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, wovon nur fünf überlebten. Die Autorinnen Seidler und Stuhlfauth schreiben zu dieser Beziehung:
„obwohl es sich zunächst um eine Konvenienzehe handelte, entwickelt sich die Beziehung über die Jahre zu einer von Respekt getragener Beziehung, zumal La Roche nichts gegen Sophies schriftstellerische Arbeit einzuwenden hat und seiner Frau jegliche Weiterbildung ermöglicht.“ (Seidler und Stuhlfauth, 2013. S.232)
Im Juni 1771 erschien, zunächst anonym, ihr erster Briefroman ‘Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim‘, herausgegeben und lektoriert von Wieland, welcher ihre erfolgreichste Veröffentlichung werden wird. Im selben Jahr zieht die Familie La Roche aufgrund eines beruflichen Wechsels von Sophies Mann nach Koblenz-Ehrenbreitstein um, wo es ihr gelingt in ihrem Haus einen literarischen Salon zu etablieren. Der bekannteste Gast war wohl der junge Goethe.

Aufgrund einer „politischen Intrige endete die Karriere von Georg Michael Frank von La Roche [1780]. [..…..] Für Sophie von La Roche bedeutet die Entlassung ihres Mannes sowohl gesellschaftlichen Abstieg als auch das Ende ihrer Salonkultur.“ (Seidler und Stuhlfauth, 2013. S.232), erklären Seidler und Stuhlfauth weiter. Aus der finanziellen Not heraus entwickelt sie sich zur einer von Deutschlands ersten Berufsschriftstellerinen und bringt im Januar 1783 die Monatsschrift Pomona für Deutschlands Töchter heraus. Pomona wurde die erste erfolgreiche Frauenzeitschrift und hatte sogar zwei Jahre Bestand. Dadurch wurde Sophie von La Roche auch die erste deutsche Journalistin.
In den kommenden Jahren geht Sophie viel auf Reisen und veröffentlicht mehrere Reiseberichte, bis am 21.11.1788 ihr Ehemann stirbt. Als Folge der französischen Besetzung des linken Rheinufers 1794 entfiel ihre Witwenrente, so dass sie nun zunächst vollkommen auf ihre Einkünfte als Schriftstellerin angewiesen war. Durch ihre Tochter Maximiliane, die mit dem Kaufmann und Diplomaten Peter Anton Brentano verheiratet war, wurde sie zur Großmutter von Bettina von Arnim und Clemens Brentano. Als Maximiliane Brentano 1793 starb und ihr Schwiegersohn 1797, nahm sie von deren acht unmündigen Kindern drei Mädchen gegen Kostgeld auf.
In ihren letzten Jahren unternimmt sie mit ihrer Enkelin Sophie La Roche noch eine letzte größere Reise zu Wieland nach Oßmannstedt und veröffentlicht noch mehrere Werke, bis 1806 mit dem Lebensrückblick Melusinens Sommer-Abende ihr letztes Werk erscheint. Am 18.02.1807 stirbt Sophie von La Roche im Alter von sechsundsiebzig Jahren.


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