Sor Juana Inés de la Cruz – Eine Nonne, die ihrer Zeit voraus war 

Wie auch bei Aphra Behn ist Sor Juana Inés de la Cruz eine Schattengestalt in der Literaturgeschichte und ihre Biografie ist fast genauso lückenhaft. Laut Alberto Perez-Amador Adam und Stephan Nowotnicks Übersetzung auf Basis der Stadartausgabe von Méndez Plancarte ist sie 1648 in der mexikanischen Provinz als uneheliches Kind geboren und getauft. Mit acht Jahren brachte man sie in die Hauptstadt, wo sie bei entfernten Verwandten lebte, die sie mit dem Palast vertraut machten. Aufgrund ihrer ‚außerordentlichen Schönheit‘ und ihrer ‚verblüffenden Gelehrsamkeit‘ erhielt sie rasch  die Gunst des Vizekönigs, was ihr noch sehr hilfreich werden sollte. 

Wegen ihrer unehelichen Abstammung blieb ihr jedoch kaum eine andere Möglichkeit als der Eintritt ins Kloster. 1669 trat sie  dem Kloster San Jerónimo in Mexiko-Stadt bei, wo sie bis zu ihrem Tod für 27 Jahre lang lebte.

Trotz ihrer vergleichsweise kurzen Schaffenszeit lässt sich die Bedeutung ihres Werkes kaum bestreiten. Besonders bemerkenswert ist dies, wenn man berücksichtigt, dass die Möglichkeiten literarischer Selbstdarstellung gegen Ende des 17. Jahrhunderts stark eingeschränkt waren – insbesondere für Frauen. Dennoch gelang es Sor Juana Inés de la Cruz, sich literarisch zu behaupten. Sie nutzte dafür die ’spirituelle Autobiographie‘, die weit über das 17. Jahrhundert verbreitet war, und zeitweise sogar das zentrale Medium literarischer Selbstdarstellung war. Darunter versteht man, “reale oder fingierte Schreibaufträge […..], die das Ziel verfolgen, mit sich selbst vor Gott ins Gericht zu gehen”. 

Unterschrift von Sor Juana Inés de la Cruz

Frauen mussten sich beim Schreiben und Veröffentlichen zudem häufig den von Männern geprägten Erwartungen unterwerfen, um überhaupt publizieren zu können: Dazu gehörte, ihr Geschlecht ausdrücklich zu thematisieren und sich an männliche Maßstäben zu orientieren. 

Trotz all dieser Hürden ist Sor Juana Inés de la Cruz bis heute von großer Bedeutung. 

“Werk und Person regen über Jahrhunderte hinweg die Fantasie von Kritiker*innen, Biograph*innen, Historiker*innen, Autor*innen und Künstler*innen im lateinamerikanischen, anglosächsischen und europäischen Raum im besonderen Maße an.” (de la Cruz, 1992. S.106)

Ihre Werke fanden eine weite Verbreitung, sie gilt  bis heute als besonderes Vorbild und ihre Texte wurden in viele Sprachen übersetzt. 

342 Wörter

Literaturverzeichnis

Monument von Sor Juana Inés de la Cruz in Madrid

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