Zwischen Unklarheit, Erfolg und Vergessen: Das Leben von Aphra Behn

Wenn man sich mit Aphra Behn beschäftigt oder gar versucht, über sie zu recherchieren, wird man schnell enttäuscht und frustriert sein. Denn egal, was man über sie liest – kaum etwas lässt sich mit Sicherheit sagen. Selbst ihr Name beziehungsweise. dessen Schreibweise ist umstritten. Die verwirrten Blicke des Gegenübers, wenn man im Alltag von ihr erzählt, sind die Mühe der Recherche und Auseinandersetzung mit Aphra Behn jedoch wert. Oftmals kommt dann nämlich die Frage: Wer? Und genau deshalb verdient die Frau es, dass man zumindest schonmal von ihr gehört hat.

Ölgemälde von Aphra Behn, gemalt von Peter Lely

Aphra Behn war die erste (professionelle) Schriftstellerin Englands. Obgleich sie heute längst nicht so bekannt ist wie etwa Jane Austen, hatte sie einen einschneidenden Einfluss auf die Schriftstellerinnen nach ihr. Sie ebnete ihnen den Weg – und verschloss ihn zugleich teilweise wieder.

Kurz gesagt war Behns Leben von Skandalen geprägt, die ihrem Ruf erheblich schadeten. Diese bezogen sich ganz besonders auf ihre ‘unweiblichen’ Themen und ‘intellektuelle Unbescheidenheit’. Wie Virginia Woolf schrieb, mussten sich Frauen, die  ebenfalls mit dem Schreiben ihr Brot verdienen wollten, bald die Worte anhören: “Willst du so enden wie Aphra Behn? Der Tod wäre besser!” (Todd, 1999. S.12)

Kein besonders guter Start. Aphra Behn schrieb zu ihrer Lebenszeit, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen und zu überleben. Doch das war alles andere als einfach.

“She may have progressed from anonymous hackwork for the stage, and even work as a copyist, to writing plays under her own name. The hardship involved in attempts to live by the pen in the late seventeenth century should not be underestimated.” (Spencer, 2000)

So Jane Spencer in ihrem Werk ‚Aphra Behn’s Afterlife‘.

Es dauerte zwar eine Weile, doch dann gelang ihr der Durchbruch: Ihr erstes Theaterstück wurde öffentlich bekannt. Eine hilfreiche Entwicklung für ihren Geldbeutel und ihren Magen: “It was as a playwright that Behn the author first came to public notice. Her early work was accepted by Thomas Betterton, thus beginning Behn’s long association with the Duke’s Company.”, (Spencer, 2000) erklärt Spencer weiter.

Über Aphra Behns Familienumfeld ist ebenso wenig mit Sicherheit bekannt wie über die Autorin selbst. Einige Familiendetails finden sich in ihrem Werk ‚Oroonoko‘: Ihr Vater, der vermutlich als zukünftiger Lieutenant General von Surinam vorgesehen war, starb wahrscheinlich auf der Überfahrt. Seine Witwe, Aphra selbst, ihr jüngerer Bruder und ihre Schwester reisten dennoch nach Surinam und von dort aus weiter nach Europa, allerdings deutlich ärmer, als sie es sich erhofft hatten.

Auch über Aphra Behns Identität herrschte lange Zeit Unsicherheit. Sir Edmund Gosse vertrat beispielsweise die Auffassung, John Johnson und seine Ehefrau Amy hätten ihre Tochter Aphra am 10. Juli 1640 taufen lassen, und war überzeugt, dass es sich dabei um die spätere Schriftstellerin Aphra Behn handeln müsse. Ein Historiker überprüfte später diese Annahme anhand des Wye Parish Register und fand heraus, dass dort im Zeitraum 1631 bis 1665 keine Johnsons getauft wurden. Stattdessen fand er heraus, dass die Tochter von John und Amy Amis am 12. Juli 1640 begraben wurde.

In der von der Autorin Janet Todd in ihrem Buch ‚Aphra Behn studies‘ als wahrscheinlich angesehenen Version war Aphra Behns Vater höchstwahrscheinlich Bartholomew Johnson. Diese Rekonstruktion erscheint ihr am plausibelsten. Er soll Barbier gewesen sein; seine Ehefrau Elizabeth Denham wäre demnach Aphra Behns Mutter gewesen.  Die Hochzeit der beiden war am 25. August 1638, und ihr erstes Kind, Aphras Schwester Frances, wurde am 6. Dezember 1638 getauft.

Mit der Zeit verbesserte sich der soziale Status der Familie. Darauf könnte auch Aphras Nähe zum Hof zurückzuführen sein. Charles II. entsandte Behn wohl als Spionin in die Niederlande und möglicherweise war sie sogar als Kurierin tätig. So gelangte sie im Sommer 1666 nach Antwerpen, wo sie fünf Monate blieb, um ihrer Arbeit als Spionin nachzugehen. Dabei ging ihr jedoch das Geld aus, sodass sie immer wieder Briefe an James Halsall, den Mundschenk des Königs, und um finanzielle Unterstützung bat. Eine Antwort erhielt sie nie. Schließlich war sie völlig mittellos und musste bei einem gewissen Edward Butler Geld leihen, um nach England zurückkehren zu können.

Das London, in das sie im Januar 1667 zurückkehrte, war jedoch nicht mehr das London, das sie verlassen hatte. Durch den großen Brand waren rund 13.000 Häuser zerstört worden, und der Wiederaufbau hatte noch nicht begonnen.

Dennoch blieb das Problem ihrer Schulden bestehen. Sie forderte immer wieder die Bezahlung für ihre Dienste als Spionin ein, leider ohne Erfolg. Nach einigen Mahnungen Edward Butlers landete sie schließlich im Gefängnis. Später wurde ihre Schuld beglichen und sie konnte das Gefängnis verlassen. Bis heute ist unbekannt, wer ihre Schulden bezahlt hatte.

Über ihr persönliches Umfeld ist außerdem bekannt, dass sie laut Jane Jones nach ihrer erneuten Rückkehr nach Surinam einen Mr Behn heiratete, den Aphra Behn als ‘an eminent merchant of this city though of Dutch extraction’ beschrieb. Es gab Vermutungen, Mr Behn sei ein Sklavenhändler gewesen und die Hochzeit sei eher eine spontane Entscheidung gewesen. Mr Behn starb während der Großen Pest und ließ Aphra Behn mittellos zurück. Gesicherte Belege für das Schicksal von Mr Behn gibt es jedoch nicht. Vieles stützt sich auf Aphra Behns eigene Aufzeichnungen, die von der Forschung mit Vorsicht bewertet werden. So vertrat etwa V. Sackville-West sogar die Auffassung, dass eine zweite Reise nach Surinam möglicherweise nie stattgefunden habe. Gerade diese widersprüchlichen Quellen zeigen, warum Aphra Behn bis heute eine der rätselhaftesten Figuren der englischen Literaturgeschichte bleibt.

Schließlich starb Aphra Behn am 16. April 1689 im Alter von 48 Jahren. Sie wurde in der Westminster Abbey begraben.

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Literaturverzeichnis

Bronze Statue von Aphra Behn in Canterbury, England
Aphra Behns Grabstein in der Westminster Abbey in Lodon, England

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